Hab mal ein kleines Review zu einem, wie ich finde, sehr guten Album verfasst:
Als ein "Beautiful Struggle" bezeichnet Talib Kweli, durch legendäre Kollaborationen mit Mos Def und DJ Hi-Tek längst jedem ein fester Begriff, das Leben und auch speziell sein eigenes. Nur seit seinem ersten Auftritt auf dem Lyricist Lounge Sampler mit "The Manifesto" hat sich dieses Leben deutlich verändert. Talib ist längst weit über den Tellerrand des sog. Undergrounds hinaus bekannt, spielt vor Tausenden in ausverkauften Hallen und arbeitet mit den angesagtesten Leuten des Geschäfts zusammen. So finden sich auf seinem zweiten Soloalbum Namen wie Kanye West, Just Blaze oder die Neptunes bei den Produzenten sowie Gäste wie Faith Evans, Mary J. Blidge oder Anthony Hamilton am Mic. Zudem wollte Talib durch sein zweites Album auch endlich den von ihm ungeliebten Titel des "Conscious Rapper" ablegen. Man merkt schon, dieser zweite Longplayer sollte eine äußerst knifflige Gradwanderung für den "Schüler der Wahrheit" auf den fließenden Grenzen zwischen dem profitablen Mainstream und dem "guten Ruf" bei seinen alten Anhängern werden. Doch schon beim ersten Durchlauf von "The Beautiful Struggle" stellt man fest, dass Talib dieses Problem äußerst geschickt umgeht, indem er sich eindeutig zu keinem der beiden Lager bekennt, sondern einen Mittelweg wählt und findet mit dem, wie ich finde, jeder oder zumindest der Großteil der Hörerschaft zufrieden sein wird. Textlich spielt der "Quality" Nachfolger erneut in der obersten Liga mit, obwohl dem musikalischen Teil deutlich mehr Gewicht verliehen wurde. Doch geschadet hat das den Texten im Gegenzug keinesfalls. Schon im Eröffnungstrack "Going Hard" feuert Talib mit so viel Power in der Stimme, wie selten von ihm gehört, gegen allerlei Ungerechtigkeiten in der (Dritten) Welt: "This is reality Rap, I get inside the mentality that / terrorize you like a cowardly act". An manchen Stellen fragt man sich gar, ob das wirklich noch dieser ruhige und belehrende Talib Kweli aus Blackstarr Zeiten ist!? Immer wieder ist auf "The Beautiful Struggle" auch von einer Revolution die Rede bis hin zu "...the Revolution is here, the Revolution is personal". Dass Talib sein Handwerk auch im Storytelling bestens beherrscht zeigt das von den Neptunes mit einem sehr gut zur Story passenden Beat unterlegten "Broken Glas". Hier wird die tragische Geschichte von Lucy erzählt, die genug vom ländlichen Leben hat und ihre Träume in der Großstadt ausleben will, dann allerdings als drogensüchtige Stripptänzerin endet: "She needed a ticket home if it's the right cost / instead she bought a ticket to ride the white horse". Nach dem einschläfernden "We Know" mit Faith Evans und dem clubtauglichen "A Game" beweißt Kweli mit "I Try", das auch gleichzeitig die erste Single ist, das er auch mit etablierten Größen wie Kanye West und Mary J. Blidge hervorragende Kollaborationen zustande bringen kann, die wirklich eine Bereicherung für das Album sind. Nach der extrem melancholischen Liebeserklärung an Gott und die Hood "Around my Way" und dem rockigen "We Got The Beat" flacht das Album ein wenig ab, man wird aber keinesfalls zum Skippen verleitet, außer vielleicht bei "Ghetto Show" mit einem etwas laschen Common (neben dem angesprochenen "We Know" schwächster Track). Nachdem auch Jean Grae ihren, zur Zeit fast schon standartmäßigen Auftritt hatte, fängt das Hörerherz mit dem verträumten "Never Been in Love before" aber wieder zu hüpfen an und müsste beim grandiosen albumgleichnamigen Schlußtrack eigentlich aus allen Fassungen springen. Was Kweli hier zum Abschluss nocheinmal aus dem Hut - oder besser gesagt aus dem Mic - zieht, lässt mich zunächst nur noch staunen und zusätzlich zeigt auch Hi-Tek nach zwei lediglich mittelmäßigen Nummern endlich seine Klasse. Schon jetzt einer meiner Lieblingstracks und der perfekte Abschluss für ein überaus gelungenes, unter den am Anfang geschilderten Umständen, schwieriges Album. Aber wie Talib selbst sagt: "The Struggle is beautiful, I'm too strong for your slavery" ...
