Ice Cube – Raw Footage
Er nun wieder. Auf den Booklet Shots imageträchtig inszeniert – Baseballschläger und Machete schwingend, Sonnenbrille, Afro und böse Blicke inklusive. Die wilden Neunziger lassen grüßen. Man könnte jetzt darüber ins Schwadronieren geraten, wie ausgeprägt die Authentizitätsprobleme eines Künstlers sind, der einerseits Streifen wie “Beauty Shop” oder “Are We There Yet” abdreht, und andererseits den wütenden Bruder von nebenan spielt, der in Sachen “Hood Mentality” heute noch auf dem gleichen Stand ist wie schon vor 15 Jahren. Gerade im Rapgeschäft ist mangelnde “Realness” nun mal Kassengift.
Andererseits gibt es diese Widersprüchlichkeiten in der Karriere des O’Shea Jackson auch nicht erst seit gestern, und wenn wir ehrlich sind, dann war, ist und bleibt der Mann das nun mal das Paradeexemplar eines guten Entertainers. Nach dem für meinen Geschmack etwas zu sehr bejubelten Comeback mit “Laugh Now, Cry Later” vor zwei Jahren und einer unnötigen Compilation namens “In The Movies” meldet sich der alte Malefizkerl nun also mit 16 neuen Tracks zurück am Block. Ein neues Meisterwerk, dass einem Vergleich mit den Erfolgsscheiben von anno dazumal standhalten könnte, haben wohl die Wenigsten erwartet. Und das nicht zu Unrecht. Ice Cube selbst ist natürlich trotzdem immer noch für die ein oder andere knackige Line gut, ganz nach dem Motto: “I keep it gangsta and why should change that / fuck you all you motherfuckers tryin to change rap”.
Zu solchen Ansagen wollen die über weite Strecken hochglanzgelackten Produktionen allerdings nicht so recht passen. Songs wie “Jack In The Box” und das mit dem unvermeidlichen Young Jeezy eingespielte “I Got My Locs On” gehen für den kleinen Hörhunger zwischendurch schon klar, doch hätte sich auch jeder Andere diese Sorte Beats aus der Retorte auf den Einkaufszettel pinseln können. Löbliche Ausnahme: das als Single ausgekoppelte “Gangsta Rap Made Me Do It”. Wenn bossmäßige Ansagen auf einen wuchtigen Pianobeat treffen, dann ist Ice Cube ganz bei sich. Und wir vergessen wenigstens für viereinhalb Minuten, dass “Raw Footage” eigentlich ein ziemlich schlappes Album ist.
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